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[NGM-401215-004-01]
Briefkorpus

Nr. 54.

Hbg. – Neueng., d. 15.XII.40.

Mein lieber [Heinrich]!

Im letzten Brief schrieb ich Dir, daß ich Deine Briefe in letzter Zeit immer so schön regelmäßig bekomme. Das aber hätte ich nicht schreiben dürfen. Seitdem habe ich noch keinen Brief wieder bekommen. Am Freitag u. auch heute (Sonntag) sind die erhofften Briefe ausgeblieben. Aber jetzt so kurz vor Weihnachten hat die Feldpost ja sicher sehr viel zu tun, u. kann es nicht schaffen. Da werden dann wohl eines Tages wieder viele Briefe auf einmal ankommen. Gestern nachmittag u. heute den ganzen Tag habe ich feste gestrickt. Ich wußte nicht, was ich Deiner Mutter zu Weihnachten schenken sollte, da habe ich nun eine kleine Decke gestrickt, ein ganz neues Muster. Vor einigen Minuten habe ich die Maschen von den Nadeln abgezählt, d.h. also, daß sie bis auf das Spannen fertig ist. Nun mußt Du also kommen, denn beim Spannen hast Du ja immer geholfen. Ob ich sie Deiner Mutter wohl zu Weihnachten hinschicke? Oder ob ich sie mitnehme, wenn wir hinfahren, das wird ja spätestens imm Januar sein.

Mutti, Papa u. Günter waren gestern nachmittag in Bergedorf im Kino. Als es zu Ende war, merkten sie, daß sie den Zug nicht mehr erreichen würden. Es war sehr unglücklich angefangen, u. der Film dauerte ziemlich lange. Günter hatte sein Rad da. Mutti hat er vorne auf die Querstange genommen. Das Bild hätte ich sehen mögen. Als sie den neuen Deich runter waren, konnte Mutti es aber nicht mehr aushalten, ihre Beine waren schon ganz steif, wohl ähnlich, wie bei mir damals (auf dem Gammerweg von R.s kommend). Mutti ist dann zu Fuß weitergegangen. Papa war von vornherein zu Fuß gegangen. Er hatte oft Laufschritt gemacht, u. so hatte er sie noch kurz vorm Ziel eingeholt. Durchgefroren kamen sie hier beide an. Heute ist es nun entsetzlich kalt. Alle Fenster waren festgefroren. Ich bin gar nicht aus dem Haus rausgekommen.

Was sagst Du denn zu den Italienern? Oder hast Du noch nichts darüber vernommen? In Griechenland mußten sie ja zurück. Die Griechen sind tüchtig im Angriff, ca. 65 km sind sie schon nach Albanien zurückgeschlagen. Auch in Lybien [sic] haben sie sich aus den eroberten Gebieten wieder zurückziehen müssen.

All die schönen Straßen, die sie dort jetzt gebaut hatten, u. die zum Nachschub dienen sollten, sind in den Händen der Engländer. - Ob die Deutschen wohl dort noch helfen müssen?

Gestern haben wir nun auch unseren Koks bekommen. Jetzt fehlt uns nur noch Holz?. Ich glaube, bei dieser Kälte heize ich bald einmal ein, damit die Möbel nicht evtl. spakig werden. - Jetzt ist die Uhr schon wieder 10 ¼ Uhr, u. ein Sonntag ist wieder zu Ende. Jetzt muß ich meine Füße noch wärmen u. dann geht´s ins Bett. In der warmen Stube trotz Hausschuhe sind sie wie Eisklumpen.

Herzliche Grüße u. Gute Nacht!

Deine [Hannelore]

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Handzettel Weltspiegel Kino Hermann Göringstraße 36: Bei Fliegeralarm wird die Veranstaltung abgebrochen.

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Autor Hannelore Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
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Über den Autor

Hannelore Wilmers

Abbildung von einem Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, grüner Karton mit Schreibmaschinenschrift. andes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.
Ba-NGM K02.Pf1_.A14, Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, 1944, Hamburg, herausgegeben vom Landes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.

 

 

Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost