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[NGM-401227-003-01]
Briefkorpus

65.

27.XII.40.

2.1.41 [*]

Meine liebe [Hannelore]!

Vor einer halben Stunde habe ich die Post geholt, ein Brief von Dir, ein Brief von Kreisleiter Sch., ein Päckchen von Frau R.. Da hat man doch wieder eine frohe Stunde. Vorhin sagte auch ein Uffz zu mir: ich würde gern den Privatanzug mit 1000 RM bezahlen! Aber Dienst ist Dienst!

Über unsere Weihnachten habe ich Dir eigentlich ausführlich genug berichtet. Da könnte ich Dir wenig Ergänzendes im heutigen Brief mitteilen. In der dienstfreien Zeit habe ich geschrieben, gelesen und Päckchen geschnürt. Du wirst ja auch den Ansturm diesbezüglich bald erleben. Nun gibst Du mir im heutigen Brief den Auftrag, Deckenwolle zu kaufen. Ich muß ein „Leider“ schreiben. Es gibt nur eine Wollstärke, und die ist Dir jetzt bekannt. An Farben sind zuweilen weinrot, rosa, blau, braun, beige und weiß vorhanden. An sich sind es Privatleute, er scheint aber in einer Wollfabrik zu arbeiten und hat vielleicht dadurch die Vergünstigung, wöchentlich ein gewisses Quantum an Wolle für den Hausverkauf beziehen zu können. Ich habe mich stets vormerken lassen. Bislang habe ich 6 ℔ dort bezogen, 1 ℔ graue habe ich meiner Mutter zu Weihnachten geschickt. Ich will mit diesen Proben morgen hin zur Frau und mit ihr darüber sprechen. Vielleicht gelingt es ja. Warum soll ich den Versuch nicht machen? Der Roman: Schwedischer Winter gefällt mir ganz gut, leider hat man nicht so recht Zeit zum Lesen. Kaum hat man paar Seiten in sich aufgenommen, dann tritt schon wieder irgendetwas heran, und man muß das Buch schließen. Ich möchte es aber gerne in den nächsten 10 Tagen gelesen haben und es dann Dir schicken. Dein Büchlein habe ich noch nicht gelesen, es erfordert aber auch nicht soviel Verpackungsplatz. Gestern erhielt ich noch ein Büchlein von der Alteng. NS Frauenschaft. Ich möchte mich auch so recht gemütlich in der warmen Stube niederlassen und schöne Werke genießen, am liebsten aber in Curslack in Sperlingshöhe. Doch in diesem Jahre wird es noch nichts. Ich werde zwischen Neujahr und Weihnachten auf Urlaub fahren können. Du hast immer noch auf mein Kommen zu Weihnachten gehofft. Hatte ich Dir denn überhaupt solch große Hoffnungen gemacht? Oder ist der Wunsch bei Dir ausschlaggebend gewesen? Im vorigen Brief habe ich Dir schon geschrieben, daß ich nicht mehr mit Januar Urlaub rechne. So „bitter“ dies klingt, wir müssen uns fügen. –

A. S. hat Standortwache. Nun erhält er aber wieder tüchtig Post von seiner Frau. Gerade zu Weihnachten bekam er den ersten Brief aus Sachsen. Ich schrieb Dir doch, daß die Frau mit den beiden Kindern nach Sachsen verschickt worden ist, dort gedeiht nun die Familie prächtig. Er ist sehr darüber erfreut. Sogar hat er schon eine Einladung während für seiner Urlaubszeit dahin bekommen.

Nun ist schon wieder Bettzeit, die Zeit des Schlafens ist auch Dienst. Fast jede Nacht erscheinst Du mir im Traum, und wenn ich erwache, ist nichts mehr. Wenn es doch erst Wirklichkeit wäre! Die Uhr ist 2205. Ob Du schon in der Falle liegst?

Gute Nacht, mein liebes Frauchen.

Herzliche Grüße

Dein [Heinrich].

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

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Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
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Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost