68.
30.XII.40
3. Jan. 40 [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Leider scheitern manche Vorhaben durch die Hände anderer Leute. Ich war bemüht, Dir zu Deinem Geburtstag durch meine Päckchen eine besondere Freude zu bereiten. Die ersten Päckchen glaubte ich außergewöhnlich früh abgeschickt zu haben, um wenigstens rechtzeitig in Deiner Hand zu sein, aber nein, auch sie kamen zu spät. Jetzt scheint mir ein ähnlicher Fall vorzuliegen. Schon am 13. gedachte ich des Geburtstages Deines Vaters durch einen Brief, den ich nachts während der Wache schrieb. Wo Du den Brief 51 nicht erhalten hast, vermute ich, daß Dein Vater auch bislang meinen Brief noch nicht bekommen hat. Beide Briefe hatte ich einem von der Abt. gegeben, der sie einem Urlauber in die Hand drücken wollte. So ist es, wenn es schnell gehen soll. Der Brief 56 ist durch einen Kam. mitgenommen worden, deswegen hat er sein Ziel schneller erreicht.
Außerdem hatte ich dem Gefr. B. noch ein Päckchen, eine Flasche Sekt, mitgegeben, das leider auch nicht zum Weihnachtsfest in Neuengamme angekommen ist. - Es tut mir sehr leid, daß ich Dich mit dem Päckchen zum Fest enttäuschen mußte, doch ich verfügte über keine andere Möglichkeit. Von anderer Seite bist Du aber ja reichlich beschert worden. - Willst Du jetzt den Abstand der Briefe vergrößern? Du hast ja 4 Tage eingeschaltet.
Das Wetter war hier heute nicht schön, schlapperiger [sic] Schnee und leichter Regen fielen als Niederschläge. Das Fußzeug wird furchtbar naß, ein Glück, daß meine Stiefel einigermaßen dicht sind. Den größten Teil des Tages war ich aber unter Dach, nämlich in der Waffenmeisterei. Dort arbeite ich schon drei Tage. Gestern ist auch der Chef vom Weihnachtsurlaub zurückgekehrt. Die Sehnsucht hat es ihm wohl angetan, sonst wir konnten auch ohne ihn leben. Gleich ist wieder Zapfenstreich. Ich bin auch müde und verspüre leichte Kopfschmerzen.
Herzliche Grüße
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost