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[NGM-410107-003-02]
Briefkorpus

77.

7.I.41

12.I.41 [*]

Meine liebe [Hannelore]!

Gestern erhielt ich 2 Briefe (62 + 63), die schönsten meines Lebens, oder ob ich besonders dafür empfänglich war, jedenfalls haben sie mich unsagbar glücklich gestimmt. Ich mußte sie mehrfach lesen, und wie ich im Bette lag, habe ich sie noch ganz eingehend studiert. Du schreibst in einem so herzlichen und liebevollen Ton, daß das seit Monaten Entbehrte ein wenig ausgeglichen wurde. Man hat endlich ein liebes, süßes Frauchen, und man hat es doch nicht. Nur in Gedanken können wir beieinander sein. Das bin ich dauernd, auch beim Dienst, nur dann darf ich mich nicht dabei erwischen lassen. Ich wüßte überhaupt nicht, wie ich es hier ohne Dich aushalten könnte. Du bist mein Trost und meine Zuflucht, besonders dann, wenn es sehr schikanös zugeht. Aber dieses kann ja nicht ewig dauern. Und wenn es vorbei ist, dann kehr ich heim und ziehe mit Dir ins warme Nest. Wird das schön werden!

Heute kam nun schon Brief (64) angeflogen, der sehr viel Fragen enthält. Gewiß, am liebsten würde ich Deine Warmflasche [sic] sein, Dich so richtig umhegen und pflegen und anwärmen nach Herzenslust. Du hast recht, ich bin durch die warme Stube total verwöhnt. S. muß es immer tüchtig warm haben, sonst ist er nur quarkig [sic]. Warum hast Du denn fast Angst um mich, wenn ich allein im unabgeschlossenen Hause bin? Mich holt schon so leicht keiner, der kein Recht dazu hat. Die Kälte hält uns keineswegs von Übungen ab. Morgen findet beispielsweise eine statt. Zu dem Zwecke ist schon um 1 Uhr (nicht 13 Uhr) Wecken. Nimm mir es nicht übel, wenn ich den Brief schon gleich schließe, denn ich möchte noch einige Stunden schlafen. Ja, und die Glätte macht natürlich gewisse Schwierigkeiten, sie erhöht die Gefahrenmomente für Pferde und Mannschaften stark, aber sie ist kein Hinderungsgrund. Beim Militär gibt es kein Unmöglich, das Wort ist im Wehrmachtswörterbuch gestrichen. – Natürlich trage ich die Leibbinde, leider muß sie mal gewaschen werden. Das Ding ist äußerst angenehm, wenn man auf dem Fahrzeug sitzt oder irgendwo stehen muß. Und Du selbst trägst so etwas nicht? Da muß ich Dir wohl eine besorgen, denn Du sollst mir nicht krank werden. Wenn ich bald auf Urlaub komme (Februar), so will ich doch eine gesunde Frau wiedersehen, so lieb und so nett, wie ich sie verlassen habe. Ja, heute bin ich schon 4 Monate von Dir fort, eine entsetzlich lange Zeit. Morgen vor einem Jahr haben wir die Ringe bestellt und übermorgen vor 5 Monaten war der 9. August.

Und nun, meine Süße, schlafe schön. Gute Nacht!

Herzliche Grüße

Dein [Heinrich] 

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

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Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
Gesendet nach
Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost