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[NGM-410110-003-01]
Briefkorpus

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10.I.41

17.I.41 [*]

Meine liebe [Hannelore]! Gestern habe ich Dir erst einen langen Brief geschrieben, und heute sitze ich schon wieder vor dem Papier. Zwar weiß ich Dir nichts Neues zu berichten, aber ich möchte nach Möglichkeit verhindern, daß bei Dir eine lange Postpause eintritt, was ich in den nächsten Wochen jedoch nicht ganz abzustellen vermag. Dies klingt etwas rätselhaft, doch Du wirst schon das Richtige herauslesen, da Dir ja auch durch den letzten Sonntag der Inhalt meiner Briefe ins Gedächtnis zurückgerufen ist. - Der heutige Dienst war genau so wie gestern. Heute Abend habe ich meine Wäsche gewaschen, S. stand heute mittag am Waschtopf. Jetzt hängt sie an unseren Trockenvorrichtungen, die ich in der Nähe des Ofens angebracht habe. Unterhose, Unterhemd, Leibbinde, 5 Taschentücher, 1 Handtuch und 2 Paar Strümpfe habe ich gewaschen. Wenn ich mir das Wäschebild ansehe, so sieht es ganz belustigend aus. Und hättest Du das Vergnügen, uns zu überraschen, wie Du es Dir wünschst, Du würdest strahlend lachen. Aber wir kriegen alles fertig, für die Soldaten gibt es kein Unmöglich. Meine Strümpfe, die allerdings wenig kaputt waren, habe ich auch gestopft. Meine Sachen sind jetzt alle prima in Ordnung. Heute hat mir Ernst R. geschrieben, daß er in 4 - 5 Wochen schon wieder in Urlaub zu fahren gedenkt. Hoffentlich bin ich dann auch für den Urlaub „würdig“. Bruder Hans rüstet heute auch wohl schon wieder für die Feldreise. Die Urlaubszeit ist doch schnell verstrichen. Nun bin ich gespannt, ob Rudolf bald in Urlaub kommt, er rechnete ja mit Januar. Urlaub, Urlaub und abermals Urlaub! Sonst gibt es bald nichts mehr bei den Soldaten. D.h. ich habe September, Oktober und November kaum das Wort „Urlaub“ in den Briefen gebraucht. Heute abend haben S. und ich uns eine Flasche Sekt zu Gemüte geführt. Die hat aber geschmeckt. Letzten Sonnabend und Sonntag waren schon Sektabende auf unserer Stube. Wir schlürfen das kostbare Naß in genießerischen Zügen. Vorgesehen war dieser Sekt ja für den Urlaub zu den Jahresendfesten, wo unsere Frauchens [sic] die Gläser mitklingen lassen sollten, doch wir haben eben falsch kalkuliert. So habe ich nur im Geiste Dir ein herzliches Prost zurufen können, denn wir haben getrunken auf das, was wir lieben. O, [Hannelore], könnte ich doch wieder bei Dir sein, Dich so richtig umarmen und küssen! Und nun gute Nacht, mein süßes Frauchen!

Herzliche Grüße.

Dein [Heinrich].

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

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Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
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Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost