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12.I.41
18.I. [*]
Meine liebe [Hannelore]! Wieder geht ein Sonntag seinem Ende zu. Es war kein besonders schöner Soldatensonntag. Den ganzen Tag haben wir für Montag Dienst gemacht. Aber es muß sein. Und jetzt habe ich Wache. Du wünscht mir ja auch gerne solche Ehrenwache, damit ich Dir einen langen Brief schreiben kann. Nun grüble ich und weiß immer noch nichts zu schreiben. In den letzten Tagen war ich auf der Bekleidungskammer und habe dort geholfen. Das war mal wieder eine andere Beschäftigung. Du denkst auch gewiß, daß ich alles andere bin, nur kein Soldat. Neulich war ich doch in der Waffenmeisterei, jetzt auf Kammer und bei der Schneiderei, vor Monaten am Fernsprechvermittlungskasten[,] was kann da noch vom echten Soldatsein bleiben? Aber Befehl ist Befehl. Man wird mal hierhin kommandiert, mal dorthin. Es ist auch nicht immer schön und interessant, aber man tut eben seinen Dienst. Soldat kann alles, und was er nicht kann, lernt er. - Gestern abend empfing ich Deinen Brief 66. Leider ist mein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Ich hatte so recht gehofft, daß Du von dem Sekt auf mein Wohl trinken solltest, daß wir uns mit dem Sekt aus großer Entfernung zuprosten wollten. Nun habe ich Dir die Scherben geschickt; Scherben aber bringen Glück! Und wenn das zutrifft, ja was wollen wir noch mehr?! Vielleicht künden sie schon meinen Urlaub an, vielleicht meine baldige gesunde Heimkehr. - Ein Wollpaket ist erst dort angerollt? Und Du staunst schon über die Wollmenge. Wie wirst Du erst staunen, wenn alle Päckchen in Deiner Hand sind. Ich aber habe beim Einkauf genau so gedacht, wie Du mir gestern schriebst, wenn sie nämlich nicht sofort gebraucht wird, so kann sie ja als Vorrat liegenbleiben. Denn vorerst wird die Wolle doch nicht schöner und reichlicher werden. Inzwischen ist es nun Montag geworden. Ich habe einige Runden geschlafen, geträumt und wach gelegen. Es ist ziemlich kalt hier. Im Traum war ich bei Dir, meine Mutter war bei uns zu Besuch. Es war ein schöner Traum. Die Wirklichkeit muß aber bald noch viel schöner und anhaltender werden. Ich freue mich schon so auf den Urlaub, hoffentlich steigt er nun auch im Februar. Aber Liebchen, Du mußt Dich doch die ganze Zeit vom Geschäft frei machen, sonst haben wir ja nichts voneinander. Ich will doch gerade deswegen in Urlaub fahren, um in Deiner Nähe zu sein. Wenn Du tagsüber weg bist, nachts schlafen wir, so bleiben mir nur der schöne Abend und der ruhestörende Morgen. Im August war es ja etwas anderes, da hatte ich ja Arbeits- und Ernteurlaub und mußte infolgedessen den Tag über mit dem Spaten tätig sein. Diesen kommenden Urlaub jedoch hoffe ich anders ausfüllen zu können. Meinst Du nicht auch, mein Schatz? Ich denke, wir werden uns den Tag nach Herzenswunsch gestalten, schön gemütlich wohnen und essen, lesen und plaudern, Kino und Theater besuchen, in Ihlienworth und Otterndorf paar Tage verweilen, immer schön schlafen und die Welt Welt sein lassen. Dann wollen wir nur uns gehören und uns nicht kümmern, was uns sonst bedrückt. Süße [Hannelore], ich freue mich ja schon soo [sic] auf die Zeit unseres Beisammenseins, hoffentlich, hoffentlich. - Jetzt, wo ich hier sitze und schreibe, liegst Du in Deinem warmen Bett und schläfst, die Decke weit ins Gesicht, denn im Zimmer wird es auch kalt sein wie hier. Hier ist auch nicht geheizt. Solltest Du jetzt nicht einen Traum haben, wo meine Gedanken doch so stark bei Dir sind? Könnte ich nun in Dein Zimmer schleichen, so brauchtest Du mir kein Schlafen vorzutäuschen. Ich würde mich an Dein Bett begeben und Dich wach küssen. In Gedanken werde ich es jetzt wohl nicht vermögen. Solltest Du aber wach werden, so denke, es war ein heißer Kuß von mir die Ursache dazu. Ich wünsche Dir ein fröhliches Erwachen und einen angenehmen Tag.
Herzliche Grüße
Dein [Heinrich]
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
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Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost