Bitte warten...

[NGM-410112-004-02]
Briefkorpus

Nr. 70.

Hbg. – Neuengamme, d. 12.I.40 [sic]

Mein lieber [Heinrich]!

Gestern kam doch noch Dein Brief Nr. 57 v. 21.12. an. Ich hatte ihn schon verloren gegeben. Da habt Ihr ja eine wüste Zecherei gehabt. Aber alles kaputt schlagen, wie kann man bloß. Hast Du auch dabei geholfen? Du schreibst ja zwar, Du selbst seist nicht sehr angeheitert gewesen, aber das meint man von sich selbst immer! Auch der Schlüssel kam gestern an. Neulich schriebst Du einmal einen Ort in Zahlen, ich hatte viele Möglichkeiten versucht, es heraus zubekommen, gestern ist es mir nun geglückt. Heute kam nun schon Dein Brief Nr. 77 an. Da hast Du Dich doch sicher in der Numerierung [sic] versehen. Denn Nr. 72 war vom 5.I. u. Nr. 77 ist am 7.I. geschrieben. Da müßten ja dann noch 4 Sachen zwischen liegen. Die Nr. 62, 63 u. 64 sind auch noch nicht da. Da werde ich wohl noch große Überraschungen erleben. Und Du nimmst jetzt mit Sicherheit an, daß Du im Februar Urlaub bekommst? Habt Ihr denn irgendwelche Nachricht darüber? Du hast noch gar nichts geschrieben über Deine Haarfrisur, u. ich bin so gespannt darauf. Daß Du Deine Leibbinde trägst, das freut mich, den Brustwärmer wirst Du dann wohl auch umtun. Heute nachmittag habe ich wieder an der Decke gestrickt. Wenn die fertig ist, was steckt doch da für eine Menge Arbeit drinn. Aber ich stricke gern daran, überhaupt, wenn ich keine Handarbeit hätte, was würde ich dann anfangen. Das ist meine Freude.

Gestern nachmittag war das große Kaffeetrinken bei Café Knoke, Wentorferstraße. Es ist dort übrigens sehr nett. Ich war nach dem Umbau noch nie dort gewesen. Meistens geht man ja, wenn man überhaupt geht, zu Kaffee Möller. 5 Personen hatten abgesagt, u. so waren wir gestern nachmittag nur 7. Die Torte hat noch ganz gut geschmeckt. Ich dachte gar nicht, daß es so lange dauern würde, aber ich bin früher aufgebrochen, um den 4 Uhr Zug noch zu bekommen. - Heute nachmittag waren Mutti u. Papa wieder im Kino. Sie wußten noch nicht einmal, was es gab, als sie hingingen. Das scheint eine Krankheit bei ihnen zu sein. Günter wäre ja auch am liebsten mitgegangen, aber er ist ja krank u. geht nicht zur Schule. Hast Du übrigens schon gehört, daß das neue Schuljahr jetzt nach den Sommerferien beginnen soll. Die Sommerferien sollen dann möglichst lang sein, die anderen Ferien dafür kürzer, damit der Unterricht nicht so auseinandergezogen wird. Die abgehenden Schüler aber verlassen nach wie vor Ostern die Schule. Keiner soll länger als 8 Jahre zur Schule gehen. - Vor einigen Tagen rief H.i bei mir an. Sie fragte, wo wir unsere Möbel gekauft haben. Ob sie wohl denkt, auch bald zu heiraten, oder ob sie ihr Geld anlegen wollen? Auskunft wollte sie mir darüber nicht geben. Am Freitag erwartete sie ihren Freund. Im Geschäft hatte ja einer ihr Karten gelegt u. dabei festgestellt, daß sie sich bald verloben würde. Damals sagte sie doch, 3 Jahre müßte sie noch warten, aber vielleicht hat sich das ja geändert. Nun aber wird es höchste Zeit, ins Bett zu gehen. 6 12 7 7 14 13 10 11 6 12 7 22 26 3 6 10 13, 2 10 6 1 22 12 7 14 21 15. [*]

Herzliche Grüße u. Gute Nacht!

Deine [Hannelore]

[* = ICH HABE DICH SO LIEB, MEIN SCHATZ.; vgl. NGM-401221-003-01]

Karte
Kommentare
Einordnung
Briefausschnitt: verschlüsselte Botschaft: ICH HABE DICH SO LIEB, MEIN SCHATZ.

Ba-NGM K02.Pf2_410112-004-01.jpg, Briefausschnitt: verschlüsselte Botschaft: ICH HABE DICH SO LIEB, MEIN SCHATZ.

Gesendet am
Gesendet aus
Autor Hannelore Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
Gesendet nach
Über den Autor

Hannelore Wilmers

Abbildung von einem Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, grüner Karton mit Schreibmaschinenschrift. andes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.
Ba-NGM K02.Pf1_.A14, Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, 1944, Hamburg, herausgegeben vom Landes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.

 

 

Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost