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15.I.41
21.I.41 [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Du bist untröstlich, daß Du keine Post von mir erhältst, und ich bin fast untröstlich, daß meine Post Dich so schlecht erreicht. Die Nummerierung zeigt Dir ja auch, daß genügend Briefsachen für Dich unterwegs sind. Liebe süße [Hannelore], wie könnte ich Dir böse sein? Du genießest mein vollstes Vertrauen. Und ich weiß, daß Du Dir größte Mühe gibst, um mir mein Dasein zu verschönern. Ich habe Dir ja neulich erst geschrieben, daß es mir ohne Dich bedeutend schwerer fallen würde. Aber nun, wo Du so allerlei Postsachen noch nicht empfangen hast, weiß ich gar nicht, welche Mitteilung Dir bekannt ist und welche nicht. Über den Gewehrpinsel z.B. habe ich auch ausführlich geschrieben. Laß es jetzt nur sein, im Februar besorgen wir ihn gemeinsam, der jetzige hält bis dahin noch aus. Augenblicklich wird es kaum möglich sein, irgendwelche Besorgungen zu machen. Was uns möglich war, an Seife, Apfelsinen, Schokolade und dergl. zu kaufen, habe ich erworben. Im Überfluß werden diese Artikel nicht angeboten, und jeder soll was davon kaufen können. In einem Päckchen liegt ein kleines Stück Seife, die recht gut sein soll. Ich selbst habe ja auch die Einheitsseife wie Ihr. - Auch über die Benutzung der Leibbinde habe ich Dir geschrieben. Sie trug ich schon 14 Tage, habe sie in der vorigen Woche gewaschen und trage sie seit Sonntag wieder. Sonntag habe ich nun alle Kälteschützer angelegt: Brustwärmer, Leibbinde, Pulswärmer und Kniewärmer und werde sie 14 Tage ununterbrochen tragen. Des Nachts ziehe ich nur Mantel und Stiefel aus.Ich
Liebes Frauchen, es fällt mir so schwer, einen Brief zu schreiben, denn alles, was ich weiß, sehe und höre, darf ich nicht schreiben. Außerdem bin ich schon ganz beunruhigt, daß einige ältere Briefe Dich immer noch nicht erreicht haben. Wenn ich recht erinnere, fehlt Dir Brief 56. Zwar habe ich Dir keine militärischen Geheimnisse mitgeteilt, aber ich möchte mich auch durchaus nicht eines Vergehens schuldig machen. Die Strafen bei solchen Vergehen sind groß und furchtbar. Dir wird es auch so gehen wie mir, nämlich wie ein Durstiger schlürfe ich die Sätze Deines Briefes und bin beinahe etwas ungehalten, wenn der Inhalt plötzlich versiegt ist. Und nun kann und kann ich den Bogen nicht voll kriegen, und unbeschriebene Seiten machen erst recht ungehalten. Aber sei mir nicht böse, ich bin sehr müde, die Kameraden schnarchen schon das stärkende Lied der Nacht. Im letzten Brief habe ich Dir schon mitgeteilt, daß Du in den nächsten Wochen erst recht mit einem schlechten Postempfang rechnen mußt. Aber bald wird es wieder anders werden, dann kann ich Dir ganz lieb sein, wie ich Dir jetzt schreiben möchte, es aber nicht in Worte zu fassen weiß.
Gute Nacht, meine süße Frau.
Herzliche Grüße
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost