Nr. 73
Hbg. – Neuengamme, d. 17.I.41.
Mein lieber [Heinrich]!
Heute ist nun das letzte Päckchen, das ich erwarten konnte, eingetroffen: Nr. 76 v. 7.I. Viel Wolle hab ich jetzt, alles ist in meinem Nebenbett verstaut. Ich könnte schon einen Laden aufmachen. Wenn das nun erst alles fertige Sachen sind! Ich habe mich über jedes Päckchen sehr gefreut u. danke Dir herzlichst. Heute hast Du wieder Schokolade beigelegt u. noch dazu Hachez aus Bremen. Die habt Ihr doch sicher von der Battr. bekommen. Hachez hatte ich vor Kriegsbeginn immer am liebsten gegessen, nachdem konnte ich nie welche erwischen! Die Seife hat diesmal Muttis größte Freude herbeigerufen. War die Marmeladendose schon kaputt, als Du sie einpacktest, oder hat sie das Loch unterwegs bekommen? Sie war aber doch so schön in Wolle eingebettet, daß das doch eigentlich kaum passieren konnte. Es ist ja auch nicht weiter schlimm. Aber wo Du nun so viel Wolle gekauft hast, bist Du sicher total abgebrannt. Da will ich Dir schnell mal wieder einen Zehn - Markschein schicken. Du kannst ja sicher dort jetzt einlösen.
Heute kann ich Dir einmal eine freudige Mitteilung machen, was Gehalt anbetrifft. Vor einigen Tagen hörte ich schon von Ilse T., daß bei allen Banken jetzt 8 % der Notverordnungen fallen sollten, bei ihnen im Postscheckamt würden schon kräftig die neuen Gehälter ausgerechnet. Ich erzählte Papa davon, aber der wollte noch nicht allzu viel davon wissen. Gestern traf ich Ilse nun wieder, sie bekommen dort am 15. Geld ausgezahlt, u. sie hatte tatsächlich die 8 % mehr bekommen. Sie meinte sogar, in der nächsten Zeit würden auch die restlichen 6 % fallen. Papa hat heute abend nun schon den ganzen Abend gerechnet, wie das bei uns u. bei ihm hinkommen würde, jetzt u. nach dem Krieg. - Freust Du Dich?
Dein Brief Nr. 79 v. 10.I. ist auch heute zu mir gekommen. Ihr habt ja schon wieder anscheinend eine längere Übung vor Euch. Und dann bei dieser Kälte. Wir haben wohl heute hier den kältesten Tag mit. (14° glaube ich) Zieh Dich man ja immer so warm an, wie Du kannst.
Du schreibst, Ernst R. könne in 4 - 5 Wochen in Urlaub fahren, das wären jetzt also noch 3 - 4. Das wäre dann also Mitte Februar. Von Deinem eigenen Urlaub schreibst Du ja noch nichts bestimmtes. Wirst Du das denn gar nicht vorher gewahr? Oder willst Du mich ganz u. gar überraschen? Aber wenn Du vorher weißt, wann es so weit ist, dann schreib lieber, damit ich im Geschäft für Urlaub fragen kann. Neulich habe ich mit Herrn Dr. P. darüber gesprochen. Er schien durchaus nicht damit einverstanden zu sein, daß ich drei Wochen vom Geschäft fortbliebe. Er wollte sich mit den betreffenden Herren besprechen. Bis jetzt habe ich noch nichts wieder gehört. Aber ich dachte, es wäre besser, wenn man rechtzeitig darüber ins Reine kommt. Wenn ich nun keinen Urlaub bekommen sollte, das wäre doch furchtbar. Von morgens 6 – abends 6 könnten wir dann nicht zusammen sein. Das wäre doch unmöglich. Aber diese Herren haben keinerlei Verständnis, sie haben auch wohl nur Geldheiraten gemacht. Hoffentlich geht noch alles zum Guten aus. - Es ist schon wieder ½ 11 Uhr u. ich bin so müde.das
Herzliche Grüße u. Gute Nacht
Deine [Hannelore]
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Hannelore Wilmers
Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost