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19.I.41
27.I.41. [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Heute abend empfing ich nach Tagen wieder einige Postsachen, Päckchen 69, Brief 71 und einen Brief von Ernst E.. Er teilt mir mit, daß er dem Vaterland lieber als Erzieher dienen will und sich deswegen für Hamburg entschieden hat. Vorläufig hat er nun den grauen Rock abgelegt, es kann ja sein, daß er nochmals zum Militär gerufen wird. Und nun schickst Du mir wieder ein nettes Päckchen, Du weißt ja, wie wohl das tut. Die Äpfel und die kleinen Kuchen haben gleich dran glauben müssen, drei Kuchen waren nur Bruchstücke, man weiß ja, daß nicht mit zarter Hand in der Paketabteilung gearbeitet wird. Aber die Nüsse sind alle heil geblieben, sie werde ich auf dem Fahrzeug knacken. Aber die anderen im Brief mitgeteilten Nüsse sind noch keine wieder für mich. So schwach ist mein Gedächtnis noch nicht geworden, obgleich es in diesen Tagen der Kälte gelitten haben mag. Die Aufgabe mit den Gefäßen hatte ich übrigens Dir gestellt, es war dort hinten in Allermöhe August/Sept. 39, wohin wir unsere Touren am Mittwoch nach Geschäftsschluß machten. War das bei dem schönen Sommerwetter eine köstliche Zeit! Wenn ich in diesem Augenblick daran denke, wie anders ist es jetzt geworden. Ich will nicht klagen, aber die letzte Woche war nicht von Pappe. Und wer weiß, wann es anders wird. Auch ich weiß kaum etwas mehr, als was ich Dir schreibe, und Du möchtest gewiß gerne mehr erfahren. Ich versteh Dich, versteh‘ Du mich auch bitte, liebe [Hannelore]. Sei auch nicht traurig, wenn Du jetzt nur kurze Briefe und wenig Post erhältst, denn 1. habe ich abends meistens keine Schreibgelegenheit und 2. bin ich durchweg total müde und sehne mich nach Ruhe. Dessen kannst Du aber sicher sein, daß ich mit meinen Gedanken den Tag über um so stärker bei Dir bin. Könnte ich man bald wirklich bei Dir sein! Muß das dann wieder schön werden! Hast Du nun alle Postsachen empfangen? Sonst teile mir bitte doch mal die fehlenden Nummern mit. Ich bin jetzt sehr müde, die Augen fallen mir zu, außerdem ist es gleich 22 Uhr. Jetzt fällt mir gerade ein, daß es übrigens Sonntag ist. Was magst Du den Tag über getrieben haben. Hast vielleicht wieder fleißig an der Decke gearbeitet. Dies war nun der 20. einsame Sonntag, bald bin ich 140 Tage von Dir fort. In 20 Wochen befinden wir uns schon im Juni, hoffentlich, hoffentlich......
Und nun Gute Nacht, mein süßes Frauchen.
Herzliche Grüße.
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost