Bitte warten...

[NGM-410122-003-01]
Briefkorpus

84

22.I.41.

31.I.41 [*]

Meine liebe [Hannelore]! Heute abend haben wir wieder Post empfangen können, 2 Briefe (72 + 73) von Dir und einen Brief von Bruder Rudolf. Ich freue mich sehr zu Deinen Briefen, erstens weil ich überhaupt von Dir Post erhalten haben und zweitens über den Inhalt Deiner Briefe. Nun bin ich beruhigt, wo die vielen Päckchen dort angerollt sind. Ein Päckchen ist meiner Meinung nach nur noch unterwegs. aber es wird inzwischen dort auch eingetroffen sein. Nun hast Du Wolle in Massen, aber es schadet wohl nichts, sie wird mit der Zeit schon ihre Verwendung finden. Es freut mich auch, daß die Apfelsinen durch den starken Frost nicht kaputt gefroren sind. Übrigens war die Butterdose noch heil, wie ich sie hier verpackte. Die Pakete der Feldpost müssen, glaube ich, schon einige kräftige Stöße vertragen können, Soldaten sind hart. Heute habe ich wieder Wache, aber einige ganz andere wie vor Wochen. Jetzt kann ich das Wachlied singen: „Steh‘ ich in finsterer Mitternacht.“ In dieser Nacht habe ich von 1 - 3 Uhr zu wachen, da habe ich viel Zeit zum Phantasieren, Grübeln und Nachdenken. Luftschlösser werden entstehen und wieder zerbrechen. Ich bin bei Dir und doch wieder so weit von Dir weg! –

Bruder Rudolf hat am 6.I. auf Helgoland den Brief geschrieben, ist dann nicht gleich zum Einstecken gekommen, eine Woche später hat er ihn mit in Urlaub gekommen genommen und ihn am 15.I. in Ihlienworth eingesteckt. Der glückliche Bruder erfreut sich jetzt auch seines Urlaubs. Mein Urlaub ist nun doch nicht mit seinem zusammengefallen. Acht Tage Urlaub sind beim ihn schon wieder rum, wann aber wird mein Urlaub Wirklichkeit werden? Du möchtest es gerne wissen. Ich auch, aber ich weiß es nicht. Es kann sein, daß er im Februar steigt, es ist aber auch möglich, daß wir uns im Februar noch nicht sehen werden. Ich weiß, liebe [Hannelore], daß Du über den geringen Postempfang sehr traurig sein wirst, aber leider kann ich es nicht ändern. Ich weiß auch nicht, ob Du jemals diesen Brief empfängst. Und nun mein süßes Frauchen sage ich Dir Gute Nacht.

Herzliche Grüße

Dein [Heinrich].

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
Gesendet nach
Erwähnte Orte
Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost