Bitte warten...

[NGM-410128-003-01]
Briefkorpus

87

28.I.41

5.II.41 [*]

Meine liebe [Hannelore]!

 Auch heute kann ich Dir keine großen Neuigkeiten mitteilen, aber Du wirst Dich auch so freuen. Und darauf kommt es mir nur an, Dir durch diesen Brief eine Freude zu bereiten. Unsere Lage ist die gleiche, erst Ende der Woche wird eine Änderung eintreten. Der Dienst am heutigen Tage war nicht erheblich, wir haben uns nur mit kalten Füßen und mit Nässe abplagen müssen. Zwar ist Tauwetter, aber kalt war es doch. Dazu kamen der Regen und die Bodenfeuchtigkeit. Nun ist wieder Feierabend. Da unser Abendbrot gerade zubereitet wird, habe ich zum Plaudern noch einen Augenblick Zeit. Morgen habe ich außerdem Wache, wo mir vielleicht wenig Gelegenheit zum Schreiben geboten wird. Inzwischen habe ich nun schon Abendbrot gegessen. Das Licht ging aus, mir war die Möglichkeit zum Weiterschreiben genommen, aber das Abendessen wurde weiter vorbereitet. Wir haben Milchsuppe zum Brot gespeist. 6 Lt. Milch, 12 Eier, Mehl und Zucker hatten einen wohlschmeckenden Brei ergeben. Jetzt ist mein Magen sehr gespannt, Du ahnst gar nicht, wie ich reingehauen habt. Die Madame hatte uns heute nachmittag je ½ ℔ Butter verkauft, 7 - 8 Scheiben Brot rutschten mit der Suppe zusammen in den Bauch. Hat es uns geschmeckt! War das ein geiles Essen, sagen die Kameraden andauernd. Wenn ich in Urlaub komme, muß ich mich unbedingt mal auf die Waage stellen. Ich glaube bestimmt, daß ich schwerer geworden bin. Wie ist es mit Dir? Hältst Du Dein Gewicht, oder hat es sich auch verändert? An unserem Hochzeitstage waren wir ja auf der Waage, aber ich habe die Gewichtszahlen vergessen. Weißt Du sie noch? Jetzt haben wir ein Glas Wein vor uns, er schmeckt uns immer noch, köpft aber kaum. Ich habe soeben auf Deine Gesundheit einen kräftigen Schluck getrunken. Was Du jetzt wohl machst? Ob Du meiner auch wohl brieflich gedenkst? Die Uhr ist 2120, bald winkt wieder die Nachtruhe. Allerdings ist ein Strohlager nicht mit einem Ehebett zu verwechseln, aber wir sind hier ja auch Soldaten und keine Ehemänner. Ach, liebe [Hannelore], wie sehne ich mich nach Dir! Wie gerne möchte ich bei Dir sein, mit Dir plaudern, Dich in den Armen haben, auf dem Schoß wiegen, mit Dir spielen, zu jeder Tageszeit bei Dir sein, Dich nicht aus den Augen und Armen lassen, Tag und Nacht nicht. Süßes Frauchen, wie herrlich wäre das! Wir wollen hoffen, daß wir diese Freude noch im Februar genießen können. Bislang ist noch nichts Bestimmtes über die Urlaubsregelung raus. Diese Tage bin ich jedenfalls wieder so urlaubssicher. – 

Bist Du in letzter Zeit sehr traurig über den schlechten Postempfang gewesen? Gerade in dieser Hinsicht habe ich sehr viel an Dich gedacht, habe Dich bedauert, weil Du keinen Brief von mir öffnen konntest. Jetzt können ja auch immerhin noch postlose Tage eintreten, aber sie werden hoffentlich nicht diesen Umfang annehmen. 

Und nun, mein Schatz, will ich die heutige Plauderei abbrechen. Schlafe schön und träume süß, und wenn Du aufwachst, denke, ich habe Dich wachgeküßt.

Ein lieber Kuß und herzliche Grüße

Dein [Heinrich].

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
Gesendet nach
Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost