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30.I.41
5.II.41 [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Und wieder neigt sich ein Tag seinem Ende zu. Die Wache von gestern auf heute habe ich gut überstanden. Zuerst stand ich von 17 - 19 Uhr. Glühend rot stand die Sonne am Firmament. Ich habe Dich durch sie grüßen lassen, aber ich weiß nicht, ob Du sie auch so herrlich hast leuchten sehen. Ich sah sie untergehen wie seinerzeit in Allermöhe, wohin wir unsere Mittwochnachmittagsfahrten 1939 verlegten. Erinnerst Du Dich dessen noch lebhaft, wo wir plaudernd im Grase saßen, und ich Dir das Häkelmuster vorlas? Das waren schöne Zeiten, aber noch schönere sehe ich vor mir. Damals sahen wir uns oft, trennten uns jedoch ebenso häufig; ist aber dieses gewaltige Völkerringen vorbei, dann, süße [Hannelore], will ich gar nicht wieder von Dir fort. Dann wollen wir einander leben und lieben, wie unser Herz es verlangt. Die zweite Tour stand ich von 1 – 3 Uhr, mitten in der Nacht. Es war ziemlich sternenklarer Himmel, die Luft war kalt, leichter Wind strich über die Felder. Wegen starker Hellhörigkeit hörte man häufig nahes und fernes Hundegekläff und Hahnengeschrei, dazwischen waren verschiedene unheimliche Geräusche vernehmbar. Ich dachte dabei an Dich und kam zu der Überzeugung, daß Du alleine in solcher Nacht große Angst haben würdest. Ich vergesse gar nicht, wie Du Pfingsten 39 auf der Pferdekoppel von gewaltiger Angst ergriffen wurdest. Dies soll aber kein Vorwurf sein. Die Natur hat ja auch das männliche Geschlecht als Beschützer bestimmt. Dann stand ich noch von 8 – ½ 10 Uhr. In dieser Zeit erlebte ich den Übergang zwischen Nacht und Tag, allmählich schwanden die Ststatterne, immermehr [sic] zog ein grauer Tag herauf. Mein Hauptwachdienst war getan, nachher habe ich noch das Wachlokal gesäubert wahre Geschichten gelesen. Es waren Geschichten junger Ehen, geschrieben von den Ehefrauen. Es wurden die Quellen aufgezeigt, die glückliche Ehen zerstören können. Nun waren gestern viele Kameraden nach der nächsten Stadt und haben sich dort grenzenlos „amüsiert“, wie sie heute erzählen. Du wirst schon den Inhalt dieses Amüsements ahnen. Dabei sagen die Kameraden, daß sie glücklich verheiratet sind, daß die Ehefrauen ein blindes Vertrauen zu ihnen haben. Ich bin heute aber zu der Überzeugung gekommen, daß diese Kameraden keine Ehe der Liebe, sondern der Leidenschaft geschlossen haben, sonst ist mir dies unvorstellbar. Reine Liebe zwischen zwei Menschen schließt den Geschlechtstrieb ein, da ist ein Abirren gar nicht möglich, jede Geschlechtsregung gilt seinem Ehepartner. Kamerad T. sagt ebenfalls, daß er sich auch nie soweit vergessen könnte, so schwer ihm die Trennung von der jungen Frau auch falle. Und gerade erste Liebe läßt die Trennung zwischen Mann und Frau schwer werden, gibt aber wiederum die Kraft, sie siegreich und stark zu überstehen. Ich habe schon häufiger gesagt, süße [Hannelore], daß ich so glücklich bin, Dich zu besitzen, Du bist meine Liebe, mein Stolz und mein Leben. Ich freue mich gewaltig auf unser Wiedersehn. Den Führer habe ich heute nicht sprechen hören, aber der Sieg ist unser, und die Engländer werden schneller am Boden liegen als sie ahnen. Noch bin ich gewiß, daß ich bald in Urlaub fahren kann, aber Du weißt ja auch, daß eine Urlaubssperre rasch auszusprechen ist.a
Nun habe ich schon fast eine Woche lang keine Post von Dir erhalten, auch in den nächsten Tagen werde ich keine empfangen können. Dies ist nicht Deine Schuld, das Feldpostamt ist nämlich verlegt. Nächsten Dienstag werde ich wohl erst neue Briefe von Dir lesen können, und ich sehne mich schon jetzt so stark [?] danach. Die Uhr ist 2205. Ob Du wohl schon im Bette liegst und halbschlafend noch meiner gedenkst? Schlafe süß, Du holdes Frauchen!uo
Einen lieben Gute Nachtkuß.
Herzliche Grüße
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost