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[NGM-421210-004-01]
Briefkorpus

Nr. 443

Hbg.-Neuengamme, d. 10.12.42.

Mein lieber [Heinrich]!

Heute morgen bekam ich Deinen Brief Nr. 408 v. 9.12. Du hattest ihn erst gestern morgen geschrieben. Der Chef u. der Spieß sind ja unmenschliche Leute, daß sie ausgerechnet den Dänemark-Leuten keinen Sonderurlaub gewähren, die anderen, die immer in Ratzeburg sitzen, u. fast jeden Sonntag fahren können, werden dann wohl auch diesen Sonntag Urlaub bekommen. Aber trotzdem hoffe ich noch, daß Du es noch mal möglich machen kannst, nach hier [sic] zu kommen. Das andere will mir doch zu hart erscheinen. Wie gerne möchte ich jetzt nach Ratzeburg fahren, wenn ich nur könnte. Aus welcher Gegend war denn die Frau des Kameraden, die Dich dort aufgesucht hat? Muß Uffz L. denn auch in der Kaserne schlafen, oder kann er zu seiner Frau gehen? – Du möchtest gern ein Obstpaket haben, falls Du nicht auf Urlaub kommst. Aber solange kann ich mit dem Abschicken doch gar nicht warten, denn wer weiß, wie lange die Pakete jetzt vor Weihnachten gebrauchen [sic]. Hast Du das andere Päckchen schon von der Post geholt? Soll ich das nächste Paket auch postlagernd schicken? Ist nicht bei der Feldpost (also in der Kaserne) eine bestimmte Gewichtsgrenze gefragt? Ich weiß gar nicht, wie schwer so ein Feldpostpaket sein darf. Hoffentlich bekomme ich morgen schon einen Brief von Dir, wie ich das andere Päckchen schicken soll, damit ich es Sonnabendmorgen dann aufgeben kann. Sonntag geht keine Post. Und Montag wird es wohl fast schon zu spät sein. – Mit meinem Knie ist es immer noch nicht anders geworden. Ich muß mich wohl wieder auf ein langes Krankenlager gefaßt machen. 3 Wochen sind es ja mittlerweile sowieso schon wieder. - Heute ist so herrliches Wetter; wie gerne möchte ich da mal raus. Puppe steht draußen. Heute morgen auf M.s Seite, jetzt hinten bei den Hühnern. Ihren Brei hat sie heute mittag wieder schön gegessen. Papa fährt heute nachmittag um 5 Uhr noch nach Bergedorf. Da kann er schön diesen Brief einstecken, vielleicht hast Du ihn dann schon morgen u. kannst mir gleich wegen des Pakets schreiben. – Ich finde, es ist unerträglich, wo Du so in der Nähe bist, wenn Du da nicht mehr kommen könntest.

Nun herzliche Grüße u. einen lieben Kuß

von Deiner [Hannelore]

[*] Was ist eigentlich Röhmer [sic]? Ich will mal sehen, ob ich es im Duden finden kann. Es steht leider aber nicht drin!

[* = ab hier ist der Brieftext auf dem linken Seitenrand von oben nach unten geschrieben]

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Autor Hannelore Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
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Über den Autor

Hannelore Wilmers

Abbildung von einem Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, grüner Karton mit Schreibmaschinenschrift. andes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.
Ba-NGM K02.Pf1_.A14, Haushaltspaß von Hannelore Wilmers, 1944, Hamburg, herausgegeben vom Landes- und Hauptwirtschaftsamt Hamburg.

 

 

Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost