Konvolut OBF/ Editorische Vorbemerkung
Fortlaufende Liste aller orthografischer Besonderheiten und editorischer Eingriffe im Konvolut OBF
Die Transkriptionen der handschriftlichen Briefe sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von maschineller Transkription, menschlicher Korrektur und Annotationen im Arbeitsprozess, mit denen Besonderheiten und Eingriffe kenntlich gemacht werden, die zum fertigen Brief beitragen. Wir wollen in unseren Produktionsschritten jederzeit transparent sein und gegenüber unserem Team und der Öffentlichkeit alle editorischen Eingriffe in das Konvolut kenntlichmachen. Aufgrund des Schutzes der Briefschreibenden können wir jedoch unsere Handbücher, die die einzelnen Schritte der Produktion leiten, nicht veröffentlichen, da sie die Klarnamen der Schreibenden enthalten. An Stelle der Handbücher dokumentieren wir hier unsere editorischen Standards.
Leitende Gedanken bei der editorischen Bearbeitung
Wir folgen der "diplomatischen Transkription", das heißt, wir übernehmen das Original weitestgehend zeichengetreu, so wie es im Brief steht: Rechtschreibung, Groß- und Kleinschreibung und Interpunktion der Schreibenden und sogar ihre Schreibfehler. Um der Handschrift so nahe wie möglich zu kommen, nutzen wir verschiedene Möglichkeiten der Computertastatur zur Umsetzung.
Leitender Gedanke in den Fällen, wo die diplomatische Transkription an ihre Grenzen stößt, sind die Lesenden im Blog: wir verlinken oder verdeutlichen dort, wo die Lesenden:
- im Lesefluss gestört werden, weil sie ein Wort nicht (er)kennen, z.B., weil es veraltet ist oder seltener Dialekt verwendet wird
- im Lesefluss gestört durch fehlende Satzzeichen werden: obwohl in der Zeit der Schreibenden Interpunktion noch nicht sehr wichtig war und wir diese nicht verändern wollen, auch dann nicht, wenn nach einem Satzzeichen klein weitergeschrieben wird oder mehrere Satzzeichen hintereinanderkommen, haben wir dann, wenn offensichtlich ein neuer Satz begonnen wird, einen fehlenden Punkt [.] hinzugefügt
- [In frühen Briefen kann es vorkommen, dass auch Textstellen verlinkt wurden, bei denen die Lesenden sich andernfalls fragen konnten, ob es sich um einen Verschriftlichungsfehler, zum Beispiel Tippfehler unsererseits, handelt.]
Häufig vorkommende Wörter und Textstellen, die unverändert bleiben:
Auch wenn sie heutigen Lesenden ungewohnt erscheinen mögen, haben wir die folgenden Textstellen unverändert gelassen, auch wenn sie nur noch regional bekannt sind (Dialekt) oder sehr individuellen Sprachgebrauch betreffen (Idiolekt). Wir wollten den Lesefluss nicht durch unsere Erklärungen zusätzlich belasten und finden, dass diese Wörter auch den Charakter der Briefe ausmachen, und deshalb unverändert bleiben sollten. Hierzu gehören:
- Regionale, schichtspezifische oder persönliche Schreibweisen:
- Mutsch, Pappsch (Kosenamen für Eltern), Mannerli, Mannli, Hubo, Weibel, Weibl, Fraule, Kussel, Kussl, Herzelein, Weiberl, Herzelein, Feinslieb, Herzlieb, Singestunde, Drasch, gelt, bissel, bissl, weißte, weißt (statt: weißt [Du]), …
- Wörter (in der Regel Verben, in der 1.Pers. Sg.) mit verschlucktem -e am Ende:
- möcht, hab, hatt, geh, wollt, werd, glaub, behüt, …. (wie in: Ich lieb dich doch so.)
- Wörter mit verschlucktem oder zusammengefügten Buchstaben am Wortende:
- Mirs, wirs, ichs, übern, aufs, vorm, wenns, wirds, kannste, weißte, meinst, denkst, … (obwohl richtig wäre: mir’s, ich’s/ ich es, auf das …. )
- Wörter mit verschlucktem oder variiertem Buchstaben in der Wortmitte:
- unsre, unsres, unser, unserm, andre, andres, andrer, andern, drin, drauf, droben, drum, sehn, gehn, verstehn, ältre, darnach, Blümelein, ...
- Wörter, die nach der Rechtschreibung von 1903 korrekt sind (aber heute nicht mehr):
- garnicht/s, nimmermehr, morgen abend, heute mittag, irgend etwas, in bezug, Sonnabends, zu Haus, …
Häufig vorkommende Wörter, die mit einem Hotlink zu einem Wörterbuch im WWW verlinkt werden:
Wir verlinken ein regionales, dialektales oder umgangssprachliches Wort mit duden.de oder dwds.de zum entsprechenden Begriff, wenn es so selten ist, dass es hier nicht aufgenommen wurde. Wir kontrollieren unsere Transkriptionen sorgfältig, können aber nicht ausschließen, dass Worte vorkommen, bei denen eine Verwechselung mit einem Tippfehler besteht, der sich im Produktionsprozess eingeschlichen haben könnte. Wir streben in unserem Produktionsprozess danach, dass jede Textstelle „präzise so dort steht“. Rückfragen, ob es sich dennoch um einen Fehler im Produktionsprozess handeln könnte, können an das Projektteam gestellt werden.
[Da wir unsere editorischen Regeln im Frühjahr 2025 verändert haben, können in frühen Briefen die folgenden Wörter noch mit einem Wörterbuch verlinkt sein: Wörter, die zu der Frage führen könnten, ob ein Tippfehler unterlaufen ist (bissl, gelt, Kussl,...); Wörter (in der Regel Verben) mit verschlucktem oder variiertem Buchstaben in der Wortmitte (unsre, unsres, andre, andern, drin, drauf, drum, sehn, gehn, darnach, Blümelein, ...); Wörter mit verschlucktem oder variiertem Buchstaben am Wortanfang (naus, nunter, raus, ...).]
Textstellen, die mit einem Einschub gekennzeichnet werden:
- [sic] : Den Einschub verwenden wir, wenn eine Textstelle Fragen auslöst; wir verwenden [sic] um zu vermittelnen: „ja, das steht im Original wirklich so“. Das hilft uns im Produktionsprozess und soll auch den Lesenden Klarheit verschaffen.
- Wir fügen ein [sic] ein bei Wortwiederholungen und Schreibfehlern der Briefeschreibenden. Wir folgen dabei den Rechtschreibregeln von 1903.
- ungewöhnliche, un-/ missverständliche Wörter und Wort-Erfindungen, die nicht mit einem Hotlink verlinkbar sind
- Abkürzungen durch die Briefeschreibenden, die nicht hier gelistet sind und nicht in einem Wörterbuch vorkommen, z.B. Orte oder Namen, die sie aus Vorsicht abkürzen
- weitere Einschübe mit [ ] verwenden wir äußerst selten:
- bei Uhrzeiten, bei denen das Wort ‚Uhr‘ fehlt, die anderweitig nicht als Uhrzeit, sondern als lose Zahlen gelesen werden könnten: („Um 3.“ => „Um 3 [Uhr].“).
- den Einschub [unklar] nuten wir, wenn wir einen Buchstaben oder eine Textstelle nicht entziffern konnten
- wenn das Briefpapier ein Loch hat (z.B. durch eine Lochung) und dadurch Buchstaben im Text fehlen, setzen wir sie mit [ ] ein. Sollte ein Wort dadurch nicht mehr entzifferbar sein, folgt ein [unklar]
Häufig vorkommende Abkürzungen:
In der Produktion haben wir die Annotation Abkürzung verwendet, wenn die Schreibenden selbst eine Abkürzung benutzt haben. Wir kennzeichnen diese Abkürzung im Blog mit einem [sic] dahinter oder unterlegen diese mit einem orthografischen (und in Ausnahmefällen geografischen) Hotlink, um zu kennzeichnen, dass diese Abkürzung von den Briefeschreibenden selbst vorgenommen wurde. Abkürzungen, die kein [sic] dahinter haben und auch nicht verlinkt sind, sind von uns vorgenommen worden: immer dann, wenn wir eine Person anonymisiert haben.
- Aus arbeitsökonomischen Gründen haben wir häufig vorkommende Abkürzungen nicht mit duden.de oder dwds.de zum oder wikipedia.de verlinkt:
Weitere Eingriffe:
- Worttrennungen
- Trennungszeichen (ein – oder zeittypisch ein =) haben wir stillschweigend entfernt. Da der Brief in unserem Blog nicht mehr im selben Zeilenformat dargestellt wird (und zudem abhängt vom Endgerät der Lesenden), halten wir die originalen Trennungszeichen für verzichtbar.
- Anonymisieren
- Anonymisiert haben wir immer die Vornamen der Schreibenden und den Nachnamen ihrer Familien mittels Pseudonyme, die durch [ ] gekennzeichnet sind, sowie die Nachnamen von nicht-öffentlichen Personen, die nach dem ersten Laut abgekürzt wurden.
- Absätze
- Absätze sehen in den Briefen oft nicht auf den ersten Blick wie ein Absatz aus. Roland Nordhoff macht gerne sehr lange Gedankenstriche und fängt dann ein neues Thema an; Hilde Nordhoff rückt manchmal das erste Wort einer Zeile ein kleines bisschen ein. Manchmal sind es nur große Textlücken – all das waren Weisen, Absätze zu setzen und zugleich Papier zu sparen. Wenn bei solchen Textauffälligkeiten ein neuer Inhalt folgt, ist es für uns ein Absatz, den wir als solchen wiedergeben.
- Darstellung
- Mithilfe von Sonderzeichen haben wir häufig vorkommende Schriftkennzeichen übersetzt: ^ (für ein Einschubzeichen), ℔ (für ein Pfundzeichen), ₰ (für ein Pfennigzeichen), ℛℳ (für ein Reichsmarkzeichen). Häufig benutzt wurde M für Mark (ohne Abkürzungszeichen), für das wir kein Sonderzeichen haben.
- Mit den üblichen Formatierungswerkzeugen der Textverarbeitung haben wir anderweitig formale Besonderheiten umgesetzt, die wir im Brief gesehen haben: hochgestellt, tiefgestellt, fett gedruckt, unterstrichen oder
durchgestrichen. - Spezifische Anzahl der Ausrufezeichen (meistens 13, oftmals gereiht als 5 5 3: !!!!! !!!!! !!!) und ooooooooooooo (in soooo) zählen wir und geben sie genau wieder.
- Wir stellen das handschriftliche Briefdatum nicht am rechten Briefrand dar, wie es in der Handschrift meistens der Fall ist, sondern über der Anrede, lassen das Datum also wie den Fließtext links beginnen, da unser Blog ja nicht nur am PC, sondern auch am Handy gelesen wird, und die Zeilen andernfalls verspringen. Im Jahr 1939 kommt es häufig vor, dass zwei Daten untereinander zu lesen sind. Hilde schreibt auf dem Papier oben in die linke Ecke ein anderes Datum als das Briefdatum, das rechts zu sehen ist, womit sie das Datum notiert, auf das der Brief die Antwort ist, was wir nur untereinander darstellen konnten.
- Größere und kleinere Schrift wurde nur in jeweils einer Variante (groß oder klein) dargestellt, auch wenn die Handschriften mehr Größenvariationen erkennen ließen.
- Farbige Stellen bedeuten in der Regel eine farbige Unterstreichung (im Nachhinein). Diese ist nicht immer unter dem Text zur Unterstreichung, sondern kann auch am Briefrand, entlang von Textstellen, vorkommt. Diese konnten wir nicht adäquat umsetzen. Daher können auch die Textstellen, die eigentlich am Rande gekennzeichnet sind, farbig unterstrichen worden sein (und - in den neueren Briefen - gänzlich in farbiger Schrift dargestellt). Nach Möglichkeit haben wir eine Abbildung der Textstelle hinzugefügt.
- Sonderlichkeiten im Schriftbild, wenn kein Foto erforderlich, werden an der Stelle im Brief mit [*] markiert und am Briefende erklärt: [* = Dieser Satz ist an der linken Briefseite hochgeschrieben.]
- Alle anderen Besonderheiten der Form stellen wir über Abbildungen der Textstelle dar, zum Beispiel kleiner Zeichnungen im Schriftbild oder auf dem Briefpapier.
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